Serbske ludowe zastupnistwo
Sorbische/wendische Volksvertretung

Info-Forum zur Wahl des Serbski Sejm in Weißwasser am 13.08.2018

Am 13.08.2018 lud der Bürgermeister der Stadt Weißwasser Torsten Pötsch zu einem Info-Forum über den Serbski Sejm ein. In seinen Eröffnungsworten gab er einen Perspektivbericht der Veranstaltungsstätte der Telux-Säle und deren Historie „Wir müssen uns auf unsere Wurzeln rückbesinnen“. Im Anschluss sprach Edith Penk von der Rada Starosta. „Weißwasser war sehr lange ein Dorf, ein sorbisches Dorf.“ Sie fordert in ihrem Grußwort Mit- und Selbstbestimmungsrechte für die Sorben ein, u.a. auch über Wertschöpfung und Bodenschätze, und machte klar: „Dass ein kleines Volk sein Wahlrecht in Anspruch nimmt, ist gelebte Basisdemokratie, kein Separatismus!“

Für die Initiative präsentierte Hannes Wilhelm-Kell den Weg zum Serbski Sejm und stellte Ziele und Wege dar. Ziel ist es, die Identität als Sorben und Wenden individuell und als Volk in Europa zu stärken und optimistisch und emanzipiert in die Zukunft zu schauen. Das Neue daran ist, Sprache und Kultur durch politische Selbstbestimmung zu erhalten. Den Sejm sehe man als Plattform zur Meinungsbildung und Selbstbestimmung.

Die Urwahl zur ersten demokratisch legitimierten Volksvertretung der Sorben und Wenden soll als unmittelbare, freie, gleiche und geheime Briefwahl, organisatorisch angelehnt an Sorbenratswahl in Brandenburg, stattfinden. Bekenntnisfreiheit ist bei der Registrierung der Wähler (bis 27. Oktober möglich) und Kandidaten (können bis 10. September von Vereinigungen und Interessengruppen mit sorbischen/wendischen Zielen nominiert werden) ein gesetzeskonformes Kriterium. Besonderheit bei der Sejm-Wahl ist das Wähleralter ab 16 Jahre und die paritätische Besetzung aus Ober- und Niedersorben.

Die anwesenden Gäste berichteten in der folgenden Diskussion vom gravierenden Mangel an Sorbischlehrern und -erziehern für entsprechende Lernangebote in Weißwasser und Umgebung und benannten die Stärkung der sorbischen Sprache als wichtigste zukünftige Aufgabe. Udo Nickusch benannte regionale Probleme mit dem Braunkohleausstieg und der Einführung einer digitalen Infrastruktur. Dies wird Arbeitsplätze kosten und wir brauchen Konzepte für die Zukunft. Dr. Andreas Kluge, welcher mit dem Verein „Stup dale“ das Witajprojekt nach Dresden geholt und mit Leben erfüllt hat, forderte eine eigene Hochschule und die Konzentration auf die Ausbildung von Lehrern. Hannes Wilhelm-Kell betonte, daß die durch das Vorhandensein der Wenden und Sorben bestehenden Möglichkeiten, insbesondere die Zweisprachigkeit, in der Lausitz ein bisher völlig ungenutztes Potential darstellen und dieser Schatz zum Nutzen aller Lausitzer gehoben werden muss. Thomas Tschornak, Bürgermeister in Nebelschütz, kennzeichnete den Strukturwandel in seinem Ort als kontinuierlichen Weg von Entscheidungen unter der Prämisse „Enkeltauglichkeit“. Christian Penk verwies darauf, dass Bronzezeitsiedlungen und Pechöfen als Geschichte der Sorben ungenutzt für die Lausitz im Tagebau verschwinden.

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